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5.3.2 Anthropogene Küstenschutzmaßnahmen am Beispiel SyltDie Geschichte der Küstenschutzmaßnahmen auf Sylt ist so alt wie
der Fremdenverkehr, denn erst mit dem Fremdenverkehr gewann der
Dünengürtel für die Menschen an Bedeutung. Da die Küsten nun
mal die reizvollsten Zonen der Inseln sind, drängen auch hier die
Ferienhäuser nah ans Wasser und machen so aufwendige Schutzmaßnahmen
nötig.
5.3.2.1 SandfangzäuneDie ersten Aktivitäten, den Landverlust zu bekämpfen, begannen in
den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Errichten von
Sandfangzäunen, bei denen sich im Lee die Windgeschwindigkeit reduziert und
es so zu Sandablagerungen kommt, ist eine ebenso alte wie preiswerte Variante
des Küstenschutzes. Sie findet bis zum heutigen Tag Anwendung, reicht
allerdings nicht aus, um die Verluste zu egalisieren (vgl. BESCH 1996, S.
166).
5.3.2.2 BuhnenBuhnen sind senkrecht zum Strand stehende dammartige Bauwerke, die das
Abspülen von Sand verhindern sollen. Diese aus dem Flußbau stammende
Technik erwies sich für den Schutz von Meeresinseln jedoch schon früh
als untauglich. Die Materialien für den Buhnenbau wechselten mit der Zeit,
aber sowohl Eisen als auch Beton waren keine geeigneten Materialien, um dem Meer
Widerstand zu leisten. 1957 wurde wiederholt festgestellt, daß die
Rückversetzung der Küstenlinie durch Buhnen nicht verlangsamt wird.
Der Buhnenbau wurde dennoch zehn weitere Jahre fortgesetzt.
5.3.2.3 LängswerkeEin anderer Versuch Gebäude vor dem voranschreitenden Meer zu
schützen, war die Errichtung von strandparallelen Betonmauern in den Jahren
1907-1924. Die Längswerke stellten aber ebenfalls keinen effektiven Schutz
dar.
5.3.2.4 TetrapodenDiese vierfüßigen Betongebilde galten 1960 als die ultimative
Lösung des Problems. Die sich ineinander verhakende Tetrapoden sollten die
Brandung entscheidend abschwächen. Damals schon laut werdende Bedenken
wurden in den Wind geschlagen und die Befürchtung, daß der Sand unter
den Tetrapoden schnell ausgespült wird bestätigte, sich.
5.3.2.5 SandvorspülungDas Scheitern aller vorher genannten Methoden führte 1972 dazu, das
schon 1961 entwickelte Verfahren der Sandvorspülung ins Auge zu fassen
(vgl. BESCH 1996, S. 167). Bei der Sandvorspülung nimmt ein
Laderaumsaugbaggerschiff Sand vom Meeresboden auf, welcher dann als
Sand-Wasser-Gemisch auf den Strand gespült wird. Die Sandvorspülung
erfolgt in der Regel in zwei Bereichen. Zum einen wird vor der Abbruchkante ein
Sanddepot geschaffen, zum anderen wird der Strand- und Unterwasserbereich
aufgefüllt (vgl. o.A. 1996). Die so entstehenden Verschleißbauwerke
müssen allerdings regelmäßig erneuert werden. Die
Sandvorspülung erwies sich als effektivste, umweltgerechteste und
kostengünstigste Form des Küstenschutzes. Aber es gibt auch Ausnahmen.
In Hörnum wurden, obwohl bekannt war, daß der
Küstenrückgang hier zwei Meter pro Jahr beträgt,
Ferienhäuser unmittelbar auf die Dünen des Weststrandes gebaut. Es
wurden dementsprechend bald schützende Maßnahmen nötig wenn man
die Häuser erhalten wollte. So wurden für Längs- und Querwerke
aus Tetrapoden Mittel zur Verfügung gestellt, die die Höhe der
Gesamtkaufsumme für die zu schützenden Häuser schon
überstiegen. Zu allem Überfluß stellte sich heraus, daß
die Bauwerke nicht nur ihren Zweck nicht erfüllten, sondern daß der
Küstenrückgang sich beschleunigte (vgl. BESCH 1996, S. 168). Folglich
wurden auch hier Sandvorspülungen nötig. Das Beispiel Hörnum aber
zeigt, daß die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht in jedem Falle aufgeht. Vor
Westerland fallen alle sechs Jahre sieben bis acht Mio. DM an Vorspülkosten
an, vor Hörnum sind es jährlich 2,145 Mio. Vergleicht man nun die
21.704 Gästebetten Westerlands mit den 2.588 Hörnums wird die
Diskrepanz zwischen Kosten und Nutzen noch deutlicher. Ein deutlich
größerer Abstand der Bebauung von der Küste hätte die
Gefährdung der Hotels und Häuser zeitlich verzögert und ihre
Amortisationszeit verlängert, Buhnen und andere Betonbauten würden das
Erscheinungsbild des Strandes nicht trüben und hunderte Mio. Steuergelder
hätten gespart werden können. So das von Besch als realistisch
eingeschätzte Szenario (vgl. BESCH 1996, S. 169)
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