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6.3 Bedeutung des Ökosystems KorallenriffDie Riffe gehören mit den tropischen Regenwäldern zu den hot
spots der Artenentwicklung. Ihre Artenvielfalt ist gigantisch. Es sind
derzeit etwa 60.000 Arten bekannt. Den Schätzungen zufolge sind es aber bis
400.000 Arten, das würde bedeuten, daß bis heute nur ein kleiner Teil
klassifiziert werden konnte. Diese größtenteils unbekannte
Artenvielfalt bildet unter anderem ein wertvolles Reservoir an medizinisch
bedeutsamen Stoffen. Man spricht auch von einer Schatztruhe biologisch
wertvoller Substanzen. Beispiele hierfür sind Korallenskelette, die als
Knochenersatz dienen und das in Hornkorallen entdeckte Prostaglandin, das bei
der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird.
Laichplatz und Kinderstube für zahlreiche Fischarten zu sein, ist eine
weitere wichtige Funktion der Riffe im Ökosystem Ozean (vgl. LEINFELDER
1998).
Die Fähigkeit der Riffe, Kohlenstoff zu fixieren, ist zusammen mit den
Mangrovenküsten und Seegrasfeldern mit der des tropischen Regenwaldes
vergleichbar und ist 20 mal größer als auf dem offenen Meer (vgl.
HARRISON 1996, S. 270).
Zusätzlich dienen Riffe noch als natürlicher Küstenschutz
(Wellenbrecher), als Frühwarnsystem für Umweltveränderungen und
nicht zuletzt als wichtige Einnahmequellen für den Tourismus vieler
Entwicklungsländer.
Nachdem jetzt die Bedeutung der Korallenriffe für die verschiedensten
Bereiche des Lebensraums Erde dargestellt wurde, ist deutlich geworden, welchen
enormen Wert sie darstellen und somit wird auch die Notwendigkeit ihrer
Erhaltung unterstrichen.
Der Zustand der Korallenriffe allerdings ist besorgniserregend. Eine 1982
auf den Philippinen durchgeführte Untersuchung hat ergeben, daß bei
zwei Dritteln der Riffe nicht einmal die Hälfte der Korallen am Leben
waren. Im guten Zustand befanden sich nicht einmal sechs % der Riffe, der
Verlust von lebenden Korallen an den Riffen der Insel Hainan betrug sogar 95%
(vgl. HARRISON 1996 S. 272)
6.4 Bedrohung der RiffeDie Bedrohungen der Riffe sind vielschichtig. Die größten Feinde
der Riffe sind Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung. Vor allem die
Erhöhung der Jahresmitteltemperatur der Meere um einige zehntel Grad wird
für das Ausbleichen der Riffe verantwortlich gemacht. Die Erwärmung
hat zur Folge, daß die Korallen die Zooxanthellen verlieren, folglich auch
das Chlorophyll und somit ihre Farbe, zurück bleiben bleiche, ebenso
trostlose wie leblose Gebilde. Es werden auch Zusammenhänge zwischen El-
Niño Phänomenen und dem Ausbleichen der Korallen vermutet. Hinzu
kommt eine stetige Häufung von Korallenerkrankungen wie Schwarz- bzw.
Weiß-Band-Krankheit, eine Infektion der Korallen mit einer Blaualge. Diese
Krankheiten kommen auch in gesunden Gebieten vor, allerdings können sich
gesunde Riffe eben besser natürlichen Gefahren erwehren. Zu den
natürlichen Bedrohungen (Krankheiten, Wirbelstürme,
Vulkanausbrüche) kommen nun die anthropogenen Belastungen. Die
Klimaerwärmung ist nur langfristig zu bekämpfen, aber die durch den
Tourismus hervorgerufenen Belastungen sind, jedenfalls theoretisch, schneller zu
beseitigen (vgl. KOCH u. BRÜMMER 1996).
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