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6.5 Riffkiller TourismusDer Tourismus zieht Schädigungen der Riffe auf unterschiedlichste
Weisen nach sich:
♠ Da
ist z.B. das Sammeln von Souvenirs und zwar logischerweise sowohl der Korallen
selber als auch anderer Rifftiere. Als Beispiel für den Eingriff des
Souvenirsammelns in das Ökosystem mag die Dornenkrone dienen. Die
Dornenkrone ist ein Seestern, der sich von Korallenpolypen ernährt. Der
natürliche Feind der Dornenkrone, das Tritonshorn, ist eine (schöne)
Schnecke, so schön, daß sie in großen Mengen gefangen und an
Touristen verkauft wird. Das Dezimieren dieser Schnecke hat zur Folge, daß
sich die Dornenkrone ungestört vermehren kann. Damit einhergehend wuchs die
Belastung für die Riffe. Menschlicherweise wird die Dornenkrone nun
mit Gift bekämpft, weder wissend welchen anderen Organismen dadurch
geschadet wird, noch welche Funktion der Dornenkrone zukommt (vgl. KOCH u.
BRÜMMER 1996).
♠ Steigende
Besucherzahlen und die damit verbundenen Aktivitäten implizieren ebenfalls
verschiedene Probleme. Die beliebten Riffwanderungen führen dazu, daß
in manchen Fällen die Riffe fast komplett totgetreten wurden. Auch
Schnorcheln und Tauchen schädigt die Riffe, wenn dies wie oft,
unsachgemäß durchgeführt wird. Zerstörend wirkt sich auch
das Ankern der Schiffe und Boote aus (vgl. KOCH u. BRÜMMER 1996).
♠ Durch
Tourismus produzierte Abfälle und Abwässer führen zur
Eutrophierung und übermäßigen Algenwuchs. Die Algen bedecken die
Korallen und nehmen ihnen die Lebensgrundlage (vgl. KOCH u. BRÜMMER
1996).
♠ Der
Tourismus erfordert das Ausbauen der gesamten Infrastruktur um neue
Kapazitäten zu schaffen. Dies schädigt die Riffe in zweierlei
Hinsicht. Gerade auf Inseln sind Baustoffe wie Beton oft knapp und somit sehr
teuer (vgl. BRAUER 1989, S. 152). Korallenkalk und Küstensand dienen hier
oft als vermeintlich günstige Substitute. Aber Bautätigkeiten schaden
nicht nur durch die Direktentnahme. Das Bauen von Küstenstraßen und
das Ausschwemmen von Waldrodungsgebieten führen zu erhöhter
Sedimentation, deren Folgen ja bereits beschrieben wurden. Hauptabnehmer der
Korallenindustrie ist in erster Linie die Bauindustrie, aber auch andere Zweige
wie Düngemittel-, Keramik-, Zement-, und Nahrungsmittelindustrie sind auf
der Kundenliste vertreten. Die Größenordnung der Korallenentnahme an
der Küste von Hikkaduwa, Sri Lanka lag, nach Uthoff 1985 bei 10.000 t,
anderen Quellen zufolge sind es sogar 75.000 t. Die Rückverlegung der
Küste um 300 Meter, in einem leider nicht näher bezifferten Zeitraum
wird diesem Raubbau angerechnet (vgl. HARRISON 1996, S. 100).
Auf Initiative von R. Ginsburg, Miami, erklärten die Vereinigten
Nationen das Jahr 1997 zum Internationalen Jahr des Riffs (IYOR). Die
vielschichtigen Bedrohungen der Riffe durch den Tourismus spiegeln sich auch in
dem vom IYOR-Komitee empfohlenen Verhalten am Urlaubsort wieder:
♠ Kaufen
sie keine Muscheln, Schnecken, Korallen oder andere Meerestiere als Souvenirs,
weder in Riffregionen noch hierzulande.
♠ Informieren
sie sich und diskutieren sie die Problematik auch mit anderen.
♠ Vermeiden
sie übermäßigen Wasserverbrauch beim Urlaub in
Wüstenregionen, wie z.B. am Roten Meer (bestehen sie darauf,
Handtücher und Bettwäsche nicht täglich gewechselt zu
bekommen).
♠ Sprechen
sie Hotelmanager und Reiseveranstalter auf die Wichtigkeit des Riffschutzes an
und stellen sie klar, daß geschädigte Riffe für sie
uninteressant sind.
♠ Gehen
sie zu geführten Tauchgängen. Fragen sie vor der Abfahrt, wie das
Abwasser entsorgt wird, ob Ankerbojen vorhanden sind und ob daran festgemacht
wird.
♠ Vermeiden
sie Beschädigungen der Korallen bei ihren eigenen Tauchgängen. Ziehen
sie keine Handschuhe an und halten sie ausreichend Abstand zu den Korallen.
Stellen sie sich nicht auf das Riff. Vermeiden sie, mit den Flossen Sediment
aufzuwirbeln. Befestigen sie ihre Instrumente so, daß diese nicht
über das Riff schleifen.
♠ Beteiligen
sie sich demonstrativ nicht an Fischfütterungen.
♠ Nehmen
sie auf keinen Fall Korallen oder andere Rifforganismen mit.
♠ Nehmen
sie Müll wieder mit nach Hause (vgl. LEINFELDER 1998).
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